Vorgeschichte

Schon 1873 gab es auf dem Rütli ein Revolverschiessen. Seit dem Jahr 1872 war die Armee mit dem Ordonnanzrevolver Kaliber 10,4 mm ausgerüstet. Dadurch bestand die Möglichkeit, auch mit der Faustfeuerwaffe auf dem Rütli zu schiessen. 1873 konnte erstmals auch ein Revolverschiessen durchgeführt werden. Man schoss 12 Schüsse auf eine Distanz von 20 m. Der Sieger erhielt einen Hahn. Am 8. November 1899 schössen 67 Mann auf eine Distanz von 50 m. Als Sieger ging der Luzerner Leonz Anderhub mit 99 Punkten hervor, gefolgt vom Schattdorfer Alois Gamma mit 95 Punkten. 1900 organisierten die Luzerner ein Revolverschiessen, an dem sich 112 Schützen beteiligten. Im Jahre 1901 beteiligten sich nur einige Schützen am Revolverschiessen. In jenen Jahren gab es auch noch andere «Abarten des Rütlischiessens». So wurde 1881 und 1882 noch ein Flobertschiessen abgehalten. 1888 veranstaltete man ein Wettschiessen auf wildes und zahmes Geflügel, und 1900 schoss man mit Zettelscher Salon-Scheiben Munition um Alpkäse.

1912 wurde die Einführung eines Pistolenschiessens abgelehnt. Eine ausserordentliche Generalversammlung der Rütlisektion Uri beschloss im Sommer 1912 nach lebhafter Diskussion, ihre Delegierten sollten nicht für die Wiedereinführung des Pistolenschiessens stimmen. Ein Eventualantrag ging dahin: «Sollte das Pistolenschiessen doch durchgeführt werden, so sei eine spezielle Organisation aus der Mitte der Rütlischützen zu bestimmen». An der Rütlilandsgemeinde vom 5. November 1912 erklärte Melchior Schürmann, Mitglied der Eidg. Rütli-Kommission, das Rütli müsse Reservat für die eigentlichen Rütlischiessen mit der Ordonnanzwaffe bleiben. Diese Aussage bedeutete das vorläufige Ende des Pistolen-Rütlischiessens. Dieser Beschluss ärgerte die Pistolenschützen, gar wenn man berücksichtigte, dass der Bundesrat ab 1884 während langer Jahre für den 300 m-Sieger auf dem Rütli einen Revolver als Bundesgabe abgab.

1936 trafen sich die Urschweizer Pistolenschützen erstmals zum Freundschaftsschiessen auf dem Rütli. Ausgehend von dem alljährlich stattfindenden Freundschaftsschiessen der Urschweizer Pistolenschützen und angeregt durch den Wunsch einzelner Schützenfreunde, ergriff der Pistolenklub Altdorf die Initiative, das Freundschaftsschiessen im Jahre 1936 auf dem Rütli durchzuführen. Die Altdorfer Pistolenschützen hofften damit, den Grundstein für ein alljährliches Pistolen-Rütlischiessen nach dem Vorbild der Gewehrschützen zu legen. So überraschten die Altdorfer die Pistolensektionen von Arth-Goldau, Beckenried, Engelberg und Stans mit der Einladung zu einem Freundschaftsschiessen auf dem Rütli. Die Altdorfer, unter Präsident Louis Reusser, begründeten ihr Vorgehen wie folgt:«Um den traditionell gewordenen Schiesstag unserer Pistolenfreunde noch vaterländischer zu gestalten, haben wir uns an die Eidg. Rütlikommission gewendet und von derselben in verdankenswerter Weise die Bewilligung erhalten, das Pistolenschiessen auf dem Rütli abhalten zu können. Wie das Rütlischiessen für das Gewehr in Schützenkreisen zu einer historischen Tagung geworden ist, so hoffen auch wir, bei den Pistolenschützen für die Verlegung unseres Freundschaftsschiessens auf das Rütli freudige Aufnahme zu finden.In der Meinung, dass sich aus diesem ersten Pistolenschiessen auf dem Rütli der Wunsch zu weiteren Schiessen auf geweihter Stätte weiter entwickle, haben wir bei der Aufstellung des Programmes auf die Tradition des Rütlischiessens 300 Meter Rücksicht genommen und dasselbe möglichst ähnlich gestaltet: So wird denn auch für unser diesjähriges und die kommenden Pistolenschiessen auf dem Rütli die Tradition des 300-Meter-Schiessens Wegleitung sein».

Offiziell seit 1936

Als eigentliche Geburtsstunde des heute unter dem Namen „Historisches Pistolen-Rütlischiessen“ bekannten Anlasses kann der 18. Oktober 1936 bezeichnet werden. An diesem denkwürdigen Sonntag versammelten sich 51 Schützen aus den Sektionen Altdorf, Arth-Goldau, Beckenried, Engelberg und Stans zum traditionellen Freundschaftsschiessen der „Urschweizer Pistolenschützen“ erstmals auf dem Rütli. Schlag 12 Uhr fielen die ersten Schüsse auf die 10 aufgestellten Feldscheiben. Die Teilnehmer bezeichneten die von Walter Egg geleitete Schiessorganisation als vorbildlich. Der Altdorfer Franz Müessli gewann mit 78 Punkten den ersten Meisterschaftsbecher. Altdorf stellte auch den Sektionssieger mit 63.055 Punkten und konnte als erste Sektion die Brienzer Holzschnitzerei «Pistolen-Rütlischütz» empfangen. Auf Initiative des damaligen Präsidenten des Pistolenclubs Altdorf, Louis Reusser, Direktor der Eidgenössischen Munitionsfabrik in Altdorf, wurde im Anschluss an das Freundschaftsschiessen beschlossen, einen Versuch zu unternehmen und diesen Anlass inskünftig, in Anlehnung an den traditionellen Rütlitag der 300-m-Schützen, jährlich auf dem Rütli durchzuführen.

Die Landsgemeinde beschloss, weitere Schiessen durchzuführen. Der anschliessenden Landsgemeinde auf der Rütliwiese schlug Dr. Holdener, Goldau, vor, zum zweiten Pistolen-Rütlischiessen auch andere Sektionen einzuladen. Damit das Freundschaftsschiessen zwischen Altdorf, Arth-Goldau, Beckenried, Engelberg und Stans aber gewahrt bliebe, sollte dieses jeweils im Frühling abgehalten werden, um dann bei der anschliessenden Delegiertenversammlung gleichzeitig das Rütlischiessen zu besprechen. Dieser Antrag fand einstimmige Aufnahme bei der Landsgemeide. Weiter beschloss man, in Zukunft das Pistolen-Rütlischiessen am zweiten oder dritten Sonntag im Oktober durchzuführen.

An der Delegiertenversammlung anlässlich des Urschweizer Pistolenfreundschaftsschiessens vom 6. Juni 1937 wurden Altdorf, Arth-Goldau, Beckenried, Engelberg und Stans als urschweizerische Rütlisektionen und Zofingen als ständige Gastsektion bestimmt. Vorläufig wollte man keine weiteren Gastsektionen bestimmen, sondern solche von Jahr zu Jahr neu einladen. Die Gastsektionen haben jeweils das Recht, mit maximal 8 Schützen am Pistolen-Rütlischiessen teilzunehmen. Am 2. Pistolen-Rütlischiessen schossen nebst den Stammsektionen auch Schützen aus Zofingen, Olten und Luzern. Die Stadtschützen Zürich und die Pistolensektion Siebnen entschuldigten sich. Auch 1937 stellten die Gastgeber Altdorf mit Franz Muheim den Tagessieger und Meisterschaftsbecher-Gewinner. Bei den Stammsektionen war erstmals die Revolver- und Pistolensektion Stans erfolgreich, die in der Folge nicht weniger als 31mal beste Stammsektion auf dem Rütli war. Nach der erfolgreichen Durchführung des ersten Pistolen-Rütlischiessens wünschten die Delegierten, dass Altdorf auch die nächsten zwei bis drei Jahre für die Organisation verantwortlich wäre. Später könnten sich die fünf Stammsektionen in der Organisation abwechseln. Dazu ist es allerdings nie gekommen.

Platz für den freundeidgenössischen Geist

Die damalige Zeit, gekennzeichnet durch bedrohliche Entwicklungen im Ausland weckte das Zusammengehörigkeitsbedürfnis aller patriotischen Kräfte in unserem Land. Es war denn auch das erklärte Ziel dieses Anlasses, den vaterländischen Geist zu stärken, der Pflege der Kameradschaft in freundeidgenössischem Geiste Platz zu geben und dadurch dem Vaterland zu dienen. Dass die Rütliwiese hiezu der richtige Ort war und ist, vermochte offensichtlich zu überzeugen.

An diesen Grundsätzen hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn das gesellschaftliche Umfeld ein stark verändertes Bild zeigt. In der heutigen Zeit, wo traditionelle Werte zu zerfallen drohen, Autoritäten täglich in Frage gestellt werden und anstelle der Zusammengehörigkeit und gegenseitiger Achtung ein unheilvoller Egoismus überhand nimmt, macht es durchaus Sinn, uns wieder vermehrt auf die traditionellen Werte zurück zu besinnen. Das „Historische Pistolen-Rütlischiessen“ hat sich inzwischen zu einem der beliebtesten traditionellen Schiessen mit dazugehörendem gesellschaftlichem Anlass entwickelt.

Gerne laden wir Sie und Ihren Verein zu diesem schönen, einmaligen freundeidgenössischen Pistolen Schiessanlass ein. 

 Das Organisationskomitee